Teneriffa – die Wanderung auf den Pico Viejo

Die Wanderung zum Pico Viejo mal anders:

Der Pico Viejo bildet zusammen mit dem Pico del Teide einen einmaligen Komplex. Nachdem wir es hoch zum Teide geschafft haben, wollten wir unbedingt noch den gewaltigen Krater des Pico Viejo bei einer Wanderung entdecken. 

Im Internet fanden wir einige Touren hoch zum Krater. Dort wird der Weg als sehr anspruchsvoll bezeichnet – Wanderstöcke werden empfohlen. Wir haben unsere natürlich nicht dabei. Also wieso nicht trotzdem hoch? 

Bei eigentlich allen möglichen Wanderungen auf den Pico Viejo folgt man dem „Sendero 9“ und ignoriert die abzweigenden Pfade. Nur auf einer Wanderung zum Pico Viejo, die wir gefunden haben, nimmt man halt so einen unscheinbareren Pfad 😀 Hört sich spannend an? Nehmen wir. 

Wer trotzdem noch an unserer Tour interessiert ist, erfährt im Folgenden mehr 🙂 .

Allgemeine Infos über die Wanderung zum Pico Viejo:

Start: Parkplatz „Mirador de Chio“ an der TF 38

Dauer: ca. 7 Stunden 

Strecke: ca. 15 Kilometer

Schwierigkeit: mittel – schwer 

Wanderung Pico Viejo - Infotafel

Wir stellen unser Auto auf dem Mirador de Chio ab, wo bis jetzt noch keine anderen Wanderer zu sehen sind. Von hier haben wir einen perfekten Blick auf unser Ziel:  Den großen Krater des Pico Viejo. Auf einer Höhe von 3135 Metern befindet sich der gewaltige Krater mit einem Durchmesser von 800 Metern und einer Tiefe von 250 Metern. 

Die letzte Eruption fand übrigens im Jahr 1798 statt – zum Glück schon ein wenig her 🙂

 

Der Aufstieg auf den Pico Viejo

Wir starten unsere Wanderung links vom Parkplatz auf dem „Sendero 9“. Zunächst führt der Weg über ein einzigartiges, schwarzes Lavafeld. Die Landschaft wirkt surreal und ist einfach wunderschön.

Wanderung Pico Viejo - der Sender 9

Das Lavafeld endet in einem märchenhaften Kiefernwald, dessen Bäume in einem giftigen Grün strahlen. Es folgt eine Weggabelung, dessen Schilder uns den Weg nach rechts zeigen.  Nun geht es ein wenig bergauf. Hinter uns erhebt sich das Wolkenmeer. Darunter auch einige dunkle Wolken und wir sind uns nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, weiter zu gehen. Wir entscheiden uns erstmal dafür, behalten die Wolken aber ständig im Blick. 

Wanderung Pico Viejo - Kiefernwald

An einer Abzweigung führt der „Sendero 38“ zu den Cuevas Negras. Wir folgen dem „Sendero 9“ nach rechts. Der Pfad führt in Serpentinen mäßig steil nach oben und ist bis hierhin gut sichtbar.  Wir kommen an alten Steinmauern vorbei. Schon interessant, wir würden gerne wissen, was hier einmal war. Anschließend müssen wir zwei „Stufen“ aus rot-braunen Felsbrocken überwinden Der Pfad führt weiter durch ein grobsandiges Tal. 

Wanderung Pico Viejo - Steinmauern

Sind die Wolken nähergekommen? Sieht so aus. Mein mulmiges Gefühl im Bauch verschwindet nicht, ganz im Gegenteil. Ein Gewitter hier oben ist bestimmt nicht lustig, und ein nasses Geröllfeld höchstwahrscheinlich auch nicht. Aber jetzt noch umdrehen? Kommt nicht in Frage. So nah sind die Wolken dann doch wieder nicht 🙂

Wanderung Pico Viejo

 

Die Qual der Wahl

Nach einiger Zeit zweigt ein kleiner Pfad nach links ab – den ignorieren wir. Kurz danach biegt der „Sendero 9“ nach rechts ab. Vor dem unscheinbaren Pfad geradeaus, wurde eine kleine Steinmauer gebaut. Außerdem hat sich jemand die Mühe gemacht, einen Pfeil aus Steinen zu kreieren, der nach rechts auf den „Sendero 9“ zeigt. Aber unsere Wanderung sollte eigentlich auf dem unscheinbaren Pfad weiter gehen. Aber die Mauer, aber der Pfeil, aber, aber…. WAS MACHEN WIR JETZT???

Tja, wir sind unserer Wanderung treu geblieben – warum auch immer. Wieso sollten wir mein mulmiges Gefühl auch nicht noch größer werden lassen 😀 ?

Auf dem Weg auf den Pico Viejo treffen wir auf ein Felsplateau, das zum Verweilen einlädt. Dort machen wir eine kleine Pause und tanken neue Kraft. Denn es folgt ein weiterer anstrengender Aufstieg.

Wanderung Pico Viejo - kurze Pause

Beim Aufstieg kommen wir an einem tiefen Krater vorbei – sowas haben wir noch nie gesehen. Es sieht aus, als hätte hier ein Meteorit ein riesiges Loch hinterlassen. Wir trauen uns nicht wirklich nah an den Rand, denn es geht sehr steil nach unten. Die Erde und ihre Natur sind schon faszinierend – wir genießen den Moment – und das völlig allein. 

Wanderung Pico Viejo - Krater auf dem Weg

Der Weg wird nun deutlich bröckeliger und steiler. Füße heben! Wir gehen auf Nummer sicher und packen nun auch mal die Kamera in den Rucksack. So gut wie zu Beginn ist der Pfad nicht mehr erkennbar – eher im Gegenteil. Wir orientieren uns an einer beigen Felsformation in der Nähe des Kraters. Hier ist wirklich Konzentration, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich. Nicht jeder Fels ist stabil. Vorsicht, woran man sich festhält 😀

Wanderung Pico Viejo - Steine auf dem Weg

An der Felsformation angekommen, machen wir erneut eine kleine Pause. Wahnsinn! Was ein Ausblick! Diese Stille – einmalig! Weiter geht es durch ein schwarzes Geröllfeld hoch zum Krater. 

Und dann ist es soweit …

 

Am Krater gescheitert?

… der Weg ist verschwunden – kein Pfad mehr in Sicht. Wir sehen keine Möglichkeit, an den Krater zu gelangen, denn es geht steil hoch. Enttäuschung macht sich breit. Nach 3,5 Stunden anstrengender Wanderung einfach wieder umdrehen? Das erinnert mich sehr an unsere Wanderung in Südtirol zu den Spronser Seen.

Ganz aufgeben kommt aber nicht in Frage. Daniel lässt den Rucksack zurück und klettert ein wenig hoch. Mein tollpatschiger Daniel geht da hoch. Ich halte den Atem an. Er findet ein kleines Loch in der Felswand. „Neele, ich sehe den Krater, aber es geht hier so tief runter, wir sollten hier weg. Das lass ich mir nicht zweimal sagen und bin einfach nur froh, als Daniel unversehrt wieder unten ankommt. 

Also treten wir den Rückweg an. Ja ich muss gestehen, ich bin dermaßen enttäuscht. 

Wanderung Pico Viejo - fast gescheitert?!

An einer Stelle überlegen wir kurz, geht es vielleicht hier hoch? Und tatsächlich, zwar auch sehr steil, aber deutlich einfacher, klettern wir über die Felsbrocken nach oben an den Kraterrand. Dann ist es wirklich soweit …

… wir haben einen perfekten Blick in den Krater. Es ist wunderschön. Und immer noch verdammt tief. Also 1-2 Fotos und nix wie weg :-D. ABER wir waren am Krater! Und der Blick hinein war fantastisch – jetzt hat sich die Wanderung zu 100% gelohnt.

 

Der Abstieg

Jedes Mal bangt es mir vor dem Abstieg. Zum einen, weil ich Angst habe runterzurutschen. Zum anderen, weil Daniel immer viel zu hektisch ist und es nicht langsam angehen lassen kann. Meiner Meinung nach, nur eine Frage der Zeit, bis da was passiert :-D.

Wanderung Pico Viejo - der weite Ausblick

Weit hinter dem vorrennenden Daniel bin ich einige Male abgerutscht, umgeknickt und auf allen Vieren herunter gekrabbelt :-D. Und dann, „AHHH“ – Ratsch Ratsch – BUM. Ich kriege einen riesigen Schrecken und kann Daniel hinter einem Busch nicht mehr sehen. 

Nach einer Schlitterpatie die Serpentinen herunter bin ich einfach nur froh, dass abgesehen von ein paar Schürfungen nichts passiert ist. Und dann darf es endlich raus „Ich habe es dir gesagt“. Aber wer nicht hören will, muss fühlen :-D.

Also geht es nun auch mit einem vorsichtigeren Daniel weiter. Insgesamt hätte ich mir den Abstieg aber noch schwieriger vorgestellt, sodass wir doch ohne größere Probleme wieder auf den gut begehbaren, flachen Pfad gelangen. Außerdem bemerken wir, dass sich die Wolken nicht wirklich vom Fleck bewegt haben – eine optische Täuschung – also waren alle Sorgen überflüssig.

Hattet ihr schon einmal das Gefühl, in die Wolken hineinzulaufen? Es ist wie im Traum – wir steuern wirklich direkt auf das Wolkenmeer zu.

Wanderung Pico Viejo - über den Wolken

Nach ca. 7 Stunden kommen wir wieder am Auto an. Nachdem wir die Wolkendecke mit dem Auto durchqueren, beginnt es, wie aus Eimern zu schütten. Kaum vorstellbar, dass es über den Wolken gänzlich anders aussieht …

 

Unser Fazit

Die Wanderung war auf jeden Fall ein Abenteuer. Wir wussten nicht so wirklich was auf uns zu kommt, aber wir lieben diese kleinen Herausforderungen. Wie bereits gesagt: im Endeffekt hätten wir doch dem Sendero 9 folgen sollen. Denn von dort sollt ihr einen perfekten Blick in den Pico Viejo und zusätzlich auch auf den Teide haben. Den haben wir auf unserer Wanderung auf den Pico Viejo nämlich kaum zu Gesicht bekommen :-D. Außerdem mögen wir Rundwege deutlich lieber. Wir hätten wahrscheinlich ein wenig am Kraterrand herklettern müssen, um auf den richtigen Pfad zu gelangen. Das war uns dann doch zu gefährlich.

ABER dafür waren wir während der ganzen Tour alleine und konnten diese wundervollen Ausblicke richtig genießen. Vorbei an tiefen Kratern und atemberaubenden Ausblicken bis hin zum gewaltigen Krater des Pico Viejo. Nervenkitzel am Kraterrand garantiert! Außerdem sind wir der Meinung, wenn wir dem Sendero 9 gefolgt wären, hätten wir nicht so eine aufregende Tour gehabt. Die richtige Tour machen wir dann einfach das nächste Mal 🙂 .

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.